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Anmerkungen zum Konservieren von Netzkunst

Von Blank & Jeron

1. These: Konservierte Netzkunst ist ein bisschen weniger Netzkunst als konservierte Malerei noch Malerei ist.

Netzkunst als eigenständige Kunstform basiert meist auf der Idee der Veränderbarkeit oder Erweiterbarkeit des Kunstprojekts. Es handelt sich dabei um Prozesse, die Betrachter, Besucher oder Benutzer oft gemeinsam mit dem Künstler durch Interaktion manipulieren können und sollen. Diese und andere Charakteristika machen es nicht gerade einfach, Netzkunstprojekte zu erhalten. Allerdings wird oft vergessen, dass Konservierungsprobleme, die im Zusammenhang mit Netzkunst diskutiert werden, in anderen Kunstformen schon viel früher auftraten.

Ein Beispiel: Ein Happening von Joseph Beuys aus den frühen siebziger Jahren:
Wenn man recherchiert, was davon übrig ist, werden Probleme sichtbar, die schon seit längerem bei Konservierungsvorhaben von prozessualen Kunstwerken existieren, im Falle von Netzkunstprojekten aber noch verstärkt werden. Schon Happenings konnten im besten Fall im Nachhinein nur durch Fotos, Film- und Videoaufnahmen aufgezeichnet sowie durch Beschreibungen erklärt werden.

Wir können generell vergangene Performances nur aufgrund solcher Dokumente bewerten und einordnen, und dies, obwohl wir wissen, dass es keine noch so gut gemeinte objektive Dokumentation geben kann. Es ist immer der subjektive Blick von Künstlern, Kameraleuten, Cuttern, Regisseuren oder Kritikern, deren Eindruck vermittelt wird. Was von Performances letztendlich übrig bleibt, sind also mediale Artefakte wie Fotografien, Filmschnipsel, Videobänder und Texte. Instabil sind jedoch auch die technischen Geräte wie Projektoren, Videoplayer, denen die Funktion der Sichtbarmachung der dokumentierenden Artefakte zukommt. Und schon befinden wir uns im problematischen Bereich der Konservierbarkeit von Hardware - wie Diapositiven, Negativen, Magnetbändern, Disketten, Festplatten, CD-Roms, DVDs usw. - aber auch und vor allem deren komplexen technischen Abspielgeräten. Performances, Happenings sowie Aktionen sind also hinsichtlich ihrer Flüchtigkeit und Prozessualität durchaus vergleichbar mit Netzkunstprojekten.