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Online-Communities: Blank/Jeron über Konservieren
Blank & Jeron: Anmerkungen zum Konservieren von Netzkunst. Seite 4


Allerdings sollten diesbezügliche Anstrengungen bald beginnen, da die Halbwertzeit von Netzkunstarbeiten ziemlich kurz sein kann. Wir schlagen hierfür das Prinzip der “Patenschaften” vor: Museen und Künstler entwickeln Verträge über Netzkunstarbeiten, die erhalten bleiben sollen. Die Künstler garantieren den Erhalt ihrer eigenen Arbeiten, solange sie das (technisch) können und wollen. Danach gibt es eine “Übergabe” mit einer Anleitung zur Pflege. Für diese “Dienstleistung” an der eigenen Arbeit müssen die Künstler selbstverständlich wie Restauratoren bezahlt werden. Vielleicht kann eine solche vertragliche Einigung im Gegenzug dem betreuenden Museum ein Vorkaufsrecht oder ein Anrecht auf Dauerleihgabe anbieten. Im Gegenzug wären Künstler bei juristischen Problemen, die oft zu einem späteren Zeitpunkt auftreten, durch den juristischen Beistand eines Museums geschützt.

Es schließt sich nun die Frage an, was getan werden kann, um eine möglichst weitgehende Konservierung von Netzkunst zu ermöglichen, und worauf dabei geachtet werden muss.

3. These: Netzkunst erhalten heißt Netzkunst lauffähig zu halten.

“Solide konservieren heißt immer eine aufwendige Restauration zu verhindern!” (Johannes Gfeller, Kunsthistoriker, Fotograf, Dozent an der Schule für Gestaltung Bern)

Es gibt zwei wesentliche Faktoren, deren Berücksichtigung essentiell beim Versuch der Konservierung von Netzkunst sein wird. Wir bezeichnen diese Faktoren zunächst vage als “technische Konstellationen” und “soziale Konstellationen”.
Der schlechteste Fall einer Konservierung ist das bloße Herauslösen der Festplatte oder das Brennen der Arbeit auf eine CD-ROM. Eine Sicherungskopie ist prinzipiell sicherlich kein Fehler, aber insgesamt natürlich zu wenig. Ähnlich wie die client/server-Technik im Web, bestehend aus einer Browsersoftware und dem Webserver, basiert Netzkunst meist auf dem Zusammenwirken von Partizipierenden und Künstler.

Netzkunst aufzubewahren heißt eigentlich, sie in ihrem originären Umfeld, dem Internet, zu belassen, und sie so zu pflegen, dass sie im Sinne des Künstlers lauffähig bleibt. Der Begriff Lauffähigkeit meint im Computerjargon das reibungslose Zusammenspiel von Soft- und Hardware. Die eigentliche Basis einer jeden Netzkunstarbeit ist immer Software, seien es nun html-, perl-, javascript- oder java-code, die in Verbindung mit den multimedialen Artefakten (Bilder, Töne, Text etc.) die Schnittstelle zum User bilden. Diese Software muss – interpretierfähig durch verschiedene Browser (Netscape-Navigator, Internet Explorer, Opera) - auf den marktüblichen Betriebssystemen (MacOS, Windows, Unix) und diese wiederum auf einer bestimmten Hardware-Plattform lauffähig sein. Gerade im Zeitalter schneller Hard- und Software-Upgrades besteht die Gefahr, dass ungünstige Soft-Hardware-Konstellationen entstehen. Auch wenn bisweilen Bemühungen z.B. durch das w3-konsortium im Raum stehen, eine Standarisierung (Auf- und Abwärtskompatibilität) zu beachten, wird man sich auch in Zukunft auf nichts verlassen können. In diesem Sinne kann das unter Umständen bedeuten, dass nur ein kleines Update einer laufenden Soft-Hardware-Konstellation das Ende des Systems herbeiführen kann.