adonnaM.mp3
I love you
Origami Digital
backgrounder digitalcraft
Fotos der digitalcraft Abteilung
Ansichten vom Museum
digitalcraft in der Presse
Was ist ein Computervirus?

Viren sind in Computersysteme eingeschleuste Programme, die sich vervielfältigen und dabei andere Programme oder Daten verändern und beschädigen können.

Ihre Eigenschaft zur Reproduktion, ähnlich ihrem biologischen Vorbild, bescherte ihnen Anfang der 80er Jahre den Namen "Virus". Ihre mittlerweile über 30jährige Geschichte verrät uns immer noch wenig über die Verfasser sowie deren Motive solche Phänomene zu erschaffen. Fakt ist, dass sich die meisten Viren nicht in der Wildnis, so die Bezeichnung für die freie Computerwelt, sondern in Labors (Zoo-Viren genannt) befinden. Zur Zeit liegt die Gesamtzahl der bekannten Viren bei ca. 60.000, nur etwa 1 Prozent davon ist tatsächlich jemals in Computern außerhalb der Laborrechner entdeckt worden.

Wie jedes Programm, besteht ein Virus aus einem Quellentext, welchen der Autor beispielsweise zur Manipulation des Betriebssystems nutzen kann. Der Quellcode wird zu Programmcode kompiliert, der sich im Falle eines Virus an andere Programme oder Bereiche des Betriebssystems anheftet oder Teile davon überschreibt. Die meisten Viren sind harmlos, zeigen lediglich Meldungen oder Bilder an oder reproduzieren sich selbst. Andere Viren sind lästig, verlangsamen das System oder lösen Änderungen an der Bildschirmanzeige aus. Ein gefährlicher Virus ist sogar in der Lage, Programme zu beschädigen, sodass sie nicht mehr einwandfrei arbeiten können. Das infizierte Programm wird dann unvorhergesehen beendet oder schreibt falsche Informationen in Dokumente. Möglich ist auch, dass das Virus Verzeichnisinformationen in einem der Systembereiche ändert, wodurch Laufwerke nicht eingebunden, Programme nicht gestartet oder Dokumente nicht mehr gefunden werden können.

Durch die Nutzung der modernen vernetzten Kommunikationstechnologien wie Internet und E-Mail werden Rechner und Netzwerke immer häufiger Opfer von Viren oder verwandten Gattungen wie Würmern, Trojanern und anderen Angriffen aus dem Internet. Spätestens seit das Virus "I love you" mit dem Versprechen einer Liebeserklärung seinen zerstörerischen Code in zig Tausenden von Mails rund um die Welt schickte, weiß jeder um die Existenz dieser selbstreproduzierenden digitalen Wesen. Der Loveletter war vielleicht einer der ersten Medienstars unter den Computerviren, der weltweit angeblich 45 Millionen Menschen „beglückt“ haben soll. Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland war betroffen: Siemens, Microsoft, ProSieben, der Axel-Springer-Verlag mussten sogar stundenlang ihren Mailserver abkoppeln. Die niederländische Landesregierung und das britische Unterhaus lagen teilweise lahm.

Bei solch fatalen Auswirkungen fragt man sich automatisch nach den Hintergründen. Der Verfasser des bis jetzt berühmtesten Virus, der 23-jährige philippinische Student Onel de Guzman, hatte in Kooperation mit einem Kommilitonen an dem AMA-Computer-College den Loveletter-Virus geschrieben. De Guzman hatte seinen Teil des Programms als Examensarbeit eingereicht. Da die Software allerdings den Zweck verfolgte, Passwörter von anderen Computern auszuspähen, wurde die Diplomarbeit als illegal abgelehnt. Die Anklage gegen ihn wurde wegen mangelhafter Gesetzgebung gegen Computerkriminalität fallen gelassen.

Nicht nur Computerviren sondern auch Hackerangriffe aus dem Internet richten Schäden auf Einzelplatz- und Netzwerkrechnern an. Die Schäden bestehen bei einem erfolgreichen Hackingversuch darin, Rechnersysteme zu verändern und manchmal sogar lahmzulegen oder bei der Übertragung von Daten diese zu entwenden.

Diese vielfältigen Angriffe aus dem Internet halten mittlerweile sogar einen ganzen Industriezweig am Leben: Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens IDC soll das weltweite Verkaufsvolumen auf dem Antiviren-Markt 1999 insgesamt von geschätzten 1,2 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2004 auf 2,7 Milliarden US-Dollar emporklettern. Dieses Wachstum wird den Anteil am Gesamtsicherheitsmarkt von 24 Prozent 1999 auf voraussichtlich 41 Prozent 2004 steigern.

Mögliche Auswirkungen einer Virusinfektion:
- Sogenannte Textbotschaften auf dem Rechner auslösen (sogenannte payloads), z.B. Stoned-Virus: "your computer is now stoned - legalize Marijuana"
- Tonbotschaften auslösen z.B. O Tannenbaum
- Simulationen von Hardware-Defekten vorgaukeln (parity boot virus)
- Fehlfunktionen von Programmen bewirken
- Daten löschen

Was können Viren nicht?
Computerviren können keine Dateien auf schreibgeschützten Datenträgern infizieren. Viren infizieren auch keine komprimierten Dateien. Es ist jedoch möglich, dass Dateien bereits infiziert waren, bevor sie komprimiert wurden. Viren befallen keine Hardware wie Monitore oder Computer-Chips, sondern ausschließlich Software.

Wer programmiert Viren?
Hacker, Cracker, Computerexhibitionisten. Die Motivationen reichen von der wissenschaftlicher Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz, die sich verselbständigt, über politische Motive (der Israel Virus ist möglicherweise von PLO Sympathisanten geschrieben worden, um israelische Computer lahmzulegen), zu gesellschaftlichen Ansätzen, Abenteuerlust und Geltungsdrang, bis zum Vandalismus. Eine große Anzahl von Viren stammt aus der Zeit der Bulletin Boards Anfang der 90er Jahre. Diese elektronischen "schwarzen Bretter" boten eine große Anzahl von Viren zum Download an, jedoch nur für Internet-Teilnehmer, die selber einen Virus anzubieten hatten. In der Folge entstanden Hunderte von Viren, Pseudo-Viren, abgeänderten Viren und auch völlig harmlose Programme, die noch heute in den Archiven der AntiVirus-Forschungsstätten schlummern.

Vorgang der Infektion:
Computer-Viren sind nicht selbständige Programmteile, die als "Wirt" immer ein Programm oder programmähnliche Speicherbereiche des Betriebssystems benötigen. Indem sie Teile des Programmcodes mit ihrem eigenen Quellcode überschreiben, infizieren sie "gesunde" Programme. Wird nun das betroffene Programm gestartet, so kommt auch der Virencode zur Ausführung, der wiederum weitere Programmdateien infiziert oder alternativ schädliche oder auch nur harmlose Aktionen durchführt.

Volkswirtschaftlicher Schaden:
Computer Economics, ein unabhängiges Forschungsinstitut aus den USA, hat kürzlich erschreckende Zahlen vorgelegt. Danach nimmt der volkswirtschaftliche Schaden durch Viren ein verheerendes Ausmaß an. Allein der I-love-you-Virus hat die Anwenderunternehmen in der ganzen Welt fast 9 Milliarden Dollar (8,75 genau) gekostet.


Für weitere Informationen:

Franziska Nori, M.A.
Wiss. Leiterin Abt. digitalcraft
Schaumainkai 17
60549 Frankfurt am Main
Tel.: + 49 (0)69 212 312 78
Fax: + 49 (0)69 212 307 03
E-Mail: nori@mak.frankfurt.de
Internet: www.digitalcraft.org